Antworten auf Fragen

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Rinner – eine unendliche Geschichte?

Das Verschliessen von Weinflaschen mit Drehverschlüssen ist eine schwierige Aufgabe. Oftmals ist das Zusammenspiel verschiedener Einflussfaktoren Grund für auslaufende Flaschen. Die Verantwortung kann schlecht delegiert werden, da der Abfüller die gelieferten Verschlüsse mechanisch bearbeitet. Das umsichtige Kontrollieren und Dokumentieren dieses heiklen Arbeitsprozesses wird nicht konsequent umgesetzt. Eingangskontrolle? HACCP- Konzept? Die folgende Checkliste als Gedankenstütze:


Kontrollpunkte vor und während der Füllung bzw. Verschliessens:

Flaschen:

  • Scharfe Glaskanten können die Dichtungen verletzen.
  • Harrrisse auf der Flaschenmündung sind schlecht zu verschliessen.
  • «Orangenhaut» auf der Flaschenmündung ist schlecht zu verschliessen.
  • Schräge Flaschenhälse oder Mündungen können nicht abgedichtet werden.

Drehverschlüsse:

  • Verletzte Aluminiumrohlinge sind nicht zu verwenden.
  • Ölverschmutzungen sind unzulässig.
  • Defekte Dichtungen (z.B. defekte Abschlussfolie) hinterlaufen und dichten nicht zu 100% ab. Bei Zinndichtungen entsteht dadurch eine nachträgliche Böckserbildung.
  • Beim Stanzen der Dichtungen entstandene «Eselsohren» können Wein über die Flaschenmündung ziehen.
  • Fehlende Dichtungen sind Beweis dafür, dass der Aluminiumrohling nicht der Dimension entspricht, bzw. die Bördelung nicht perfekt ist.

Drehverschliesser-Kopfeinstellung:

  • Der Kopfdruck ist auf Grund der Dichtung einzustellen.
  • Der Seitenanrolldruck ist auf Grund des Verschlusses einzustellen.
  • Der Plunger definiert die Ziehtiefe und ist nach Angaben des Verschlussherstellers einzusetzen.
  • Die fachmännische Kontrolle des Verschlusskopfes ist zwingend. Die Dokumentation darüber bitte nicht vergessen.
  • Die Drehkopfgeschwindigkeit und -Bewegung auf die Abfüllleistung abstimmen.
  • Exakte Flaschenführung und Zentrierung der Flasche unter dem Drehkopfverschliesser.

Physik:

  • Das Füllniveau gemäss Flaschenhersteller einstellen.
  • Das angegebene Füllniveau ist für Weine bei 20°C definiert. Die Anpassung auf Grund der Abfülltemperatur ist unerlässlich.
  • Je kühler ein Wein, desto besser löst sich die Kohlensäure. Je mehr Kohlensäure im Wein, desto mehr Druck kann entstehen. Bei Kohlensäuregehalten über 1.2 g/L ist es wichtig, dass der Überdruck entweichen kann. Will heissen, dass die Flaschen mehrere Stunden stehen müssen.

Allgemein:

  • Eine verschlossene Flasche muss mindestens 5 Minuten, besser mehrere Stunden, vor dem Ablegen stehen gelassen werden.
  • Wenn mehrere Paletten gestapelt werden ist besonders darauf zu achten, dass der Druck nicht auf die Flaschen abgeleitet wird.
  • Beim Einpacken peinlich genau darauf achten, dass die Flaschenmündungen bzw. Kapselkanten nicht verletzt werden.
  • Die Drehverschlüsse bzw. die Dichtungen dürfen nicht zu kalt verarbeitet werden. Die Elastizität der Dichtung ist ansonsten zu träge. Verschlüsse unbedingt vor Verarbeitung bei 20°C lagern. Nicht zu lange in einer arschkalten Umgebung stehen lassen.
  • Eine Eingangskontrolle der Verschlüsse und Flaschen setzt eine frühzeitige Materialbestellung voraus.

Halbstündliche Kontrolle von:

  • Füllniveau
  • Aufreissverhalten
  • Abdruck der Flaschenkante in der Dichtung
  • Wein degustieren (wenn man schon mal dabei ist)

Tipp: Die Abfüllung kann leicht dokumentiert werden:

  • Palettenetiketten der Flaschen ausschneiden.
  • Datum und Uhrzeit darauf schreiben.
  • Losnummer Verschluss dazu notieren.
  • Wein/Tank/Jahrgang ergänzen. (Rückverfolgbarkeit!)

Weiterführende Literatur/Quellen:

Labor für Materialprüfung:
SQTS – Swiss Quality Testing Services, www.sqts.ch

Wie kriege ich eine Membrane sehr schnell verblockt?

Auch heute noch ist PVPP (Divergan, Polyclar, Diwine…) die erste Wahl für die rigorose Verblockung von Abfüllmembranen, Gaskontaktoren, Crossflowfiltern und Umkehrosmosen. Das vermehrte Auftauchen von zugefahrenen Abfüllmembranen zeigt auf, dass es mit Mannoproteinen, besser noch in Kombination mit Taninen, ebenso gut geht. Versuche zeigen, dass die Unterschiede zwischen den verschiedenen im Handel erhältlichen Präparate nicht sehr gross sind. Es besteht wenig Chance das Problem mit einem idealen Zugabezeitpunkt zu entschärfen. Das vorgängige abfiltrieren durch eine Schicht ist sehr effizient. Ebenso lässt sich mit Bentonitdosagen von über 300 g/hl das Mannoprotein wieder zum Teil rausschönen. Natürlich darf man auch komplett auf das Mannoprotein verzichten. Weitere Details zu den Filtrierversuchen sind hier nachzulesen.

Die Zugabe von Mannoproteinen kurz vor der Abfüllung verfeinert das Mouthfeeling und vergrössert den Körper. Die Frage stellt sich, wie dieses Ziel ebenso erreicht werden kann. Erwähnt sei die Produktion reifer Trauben.

Für mich interessant in diesem Zusammenhang ist die Nachfrage an neuen Weinzusatzstoffen. Dass diese unkontrolliert eingesetzt werden ohne Vorproben und Vergleiche ist bedenklich. Der Dreieckstest schafft auch da Klarheit.

Für den Schönungsmitteleinsatz hilft ein informatives Datenblatt. Informationen über Inhalt, Anwendung und gesetzliche Höchstmengen (wenn es denn überhaupt erlaubt ist) findet man zwischen den plakativen Tabellen und Graphiken spärlich. Wichtig ist, dass bei der Zugabe das Schönungsmittel nicht zerstört wird. Bitte beim Hersteller die genaue Anwendung erfragen.
Wie üppig darf ein Pinot noir sein?

Schon alleine die Frage ist eine Antwort. Pinot noir steht für mich für einen filigranen und fruchtigen Rotwein mit fragiler Harmonie.

Das Jahr 2015 war rebbautechnisch perfekt. In gewissen Regionen konnte man die Trauben mit Rekordoechslegraden ernten. Es brauchte zwar Geduld für die aromatische Reife, Zucker war bald einmal zu genüge vorhanden. Der daraus resultierende Alkohol muss nun harmonisiert werden. Dazu braucht es Aromatik, Säure und samtige Tannine. Kohlensäure wirkt schnell mal bitter und unharmonisch. Werte unter 0.7 g/l sind anzustreben. Interessanterweise war der Gesamtpolyphenolgehalt nicht unbedingt höher als beim Jahrgang 2014. Erklärungen dazu sind vage.

In solchen Jahren ist der Faktor Zeit auch wichtig. Ebenso Fingerspitzengefühl und eine gehörige Portion Sensorik.

Die Frage, wie man lagerfähige Pinot noirs vinifiziert, welche in Jungen Jahren schon eine gewisse Trinkreife zeigen, bleibt spannend.

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Weiterführende Links zum Thema:

Welchen Innendurchmesser hat Ihr Flaschenhals?

Weshalb diese Frage? Wenn interessiert das schon? Alle Flaschen sind ja gleich.

Leider stimmt das nicht. Die gewünschten 18,5 mm +/- 0.5 mm Innendurchmesser sind im besten Fall am Flaschenanfang bis zu einer Tiefe von 6 mm eingehalten. Wenn man den Durchmesser aber bei 20 mm ab Flaschenoberkannte misst, kann es bis zu 2 mm abweichen. Dann besteht die Gefahr, dass ein Standardzapfen von 24 mm Durchmesser nicht mehr ausreicht. Der Wein oxidiert. Wenn man sich bei gewissen Flaschen die Form des herausgezogenen Zapfens mal ansieht, könnte man denken, dass es keine Standards gibt zur Flaschenherstellung. Die zum Teil neu eingeführte Mündung mit 17,5 mm +/- 0.5 mm Durchmesser ist wahrscheinlich auch eine Reaktion auf oxidierte Weine.

Es wäre für die Erhaltung der Weinqualität wünschenswert, wenn die Flaschenhersteller sich beim Flaschenhals mehr Mühe geben könnten. Bis dahin können wir mit der Verwendung von dickeren Zapfen das Problem etwas entschärfen. Ich habe immer ein Messgerät von Kroeplin im Auto. Gerne messe ich Ihre Flaschen aus. Weitere aktuelle Infos über das Verschliessen finden Sie jeweils hier.

Alles easy mit Freasy?

Nach diesem Sommer wird die Ernte 2015 nicht in die Geschichte der Doppelsalzentsäuerung-Jahrgänge eingehen. Dennoch möchte ich es nicht verheimlichen, dass es die Viniflora Stämme CINE und CH11 in der hochaktiven Freasy-Form gibt. Vor allem die CINE find ich super cool. Letztes Jahr haben Versuche in Chardonnays und Blancs de noir gezeigt: Keine Abbautöne mehr, frei von Diacetyl. Die werde ich auf jeden Fall im Blauburgunder weiter versuchen. Wir liefern die Freasy-Kulturen bei Bedarf mit Trockeneis.

Weshalb ist Diam nicht gleich Diam?

Diam wird heute oftmals als Synonym für einen Agglozapfen genannt. Dennoch gibt es zwischen einem herkömmlichen Agglozapfen und dem Diam von Diam Bouchage zwei wichtige, matchentscheidende Unterschiede, welche patentrechtlich immer noch geschützt sind:

Das Korkmaterial von Diam wird mit einem Verfahren aus der Kafeeindustrie gereinigt. Dabei wird mit Hilfe von superkritischem CO2 nicht nur stinkende Chlor- und Bromverbindungen ausgetrieben, sondern auch über 130 verschiedene Aromastoffe. Das Korkmaterial ist somit frei von jeglichen weinbeeinflussenden Aromen. Dadurch ist der Diam nicht nur korkgeschmackbefreit, sondern verursacht auch keine Schleicher. Alternative Zapfen werden mit Wasserdampf behandelt. Diese Methode ist weit weniger effizient und verursacht meistens Schleicher.

Der zweite grosse Unterschied liegt beim Bindungsmaterial. Damit das Korkmaterial zu einem Korken geformt werden kann, braucht es einen Binder. Beim Diam werden Polyuretan und Polyamide (Mikrosphären) verwendet, beides lebensmittelecht. Dadurch wurde etwas undenkbares geschaffen: Ein Diam ist praktisch gleich elastisch wie ein Naturkorken und hat somit ein perfektes Schliessverhalten.

Alternative Zapfen wurden anfänglich mit Leim vermischt und haben dadurch nicht dieselbe Elastizität. Ebenso darf die Lebensmittelechtheit bezweifeln werden. Die Diam-Konkurrenz argumentierte zu Beginn, dass die Mikrosphären kanzerogen wirken. Dem ist auch so, wenn das Polyamide nicht richtig erhitzt wird. Dieser Prozess wird bei der Diam-Produktion nicht nur überwacht, sondern auch nachträglich analysiert. Lustigerweise hantiert nun auch die Diam-Konkurrenz mit irgendwelchen Sphären rum und findet das ein gutes Verkaufsargument.

An dieser Stelle ausdrücklich erwähnt:

  • Nur wo Diam drauf steht ist auch Diam drin.
  • Bei alternativen Agglozapfen, welche als Diam-Imitat verkauft werden, sollte man nach der Produktespezifikation nachfragen. Ebenso wäre eine zertifizierte Laboranalyse des Zapfens hilfreich bei Versicherungsfragen.
  • Tipp: Gleich welche neuen Verschlüsse Sie angeboten bekommen – ein Langzeittest mit einer kleinen Charge rät sich immer an.

Weitere Infos Diam: www.diam-kork.com

Gibt es den psychologischen Schönungsmittelbedarf?

Auf Grund vieler Anfragen aus der Branche, muss ich davon ausgehen, dass es den psychologischen Schönungsmittelbedarf gibt. Für mich stellt sich die Frage in welcher Phase der Vinifikation? Wenn während der Ernte, auf Grund der Qualität des Traubengutes, und dessen Verarbeitung, bewährte Schönungsmittel eingesetzt werden, ist es eine Sache. Vor allem, wenn durch lange Erfahrung und Versuche eine «Rezeptur» ermittelt wurde. Wo ich aber immer wieder staune, ist die Hilfslosigkeit vor der Abfüllung.

Es kann nicht sein, dass höchst komplizierte Schönungen, kurz vor der Füllung, durchgeführt werden. Wenn das nötig ist, hat man vieles von der Ernte bis zu diesem Zeitpunkt verpennt. Und bitte nicht jedes Jahr wieder von vorne beginnen. Man darf sich mal eine Erfahrung auch notieren. Man darf auch mal ältere Jahrgänge aus seinem Tun degustieren und ehrlich mit sich selber sein. Für das braucht es nicht mal einen Berater. Dass man am Schluss die Weine verschlimmbessert, ist ein Grund zum Heulen. Und dann rätselt man über die Schweizer Weinqualität bei internationalen Weinprämierungen?!?

Eine sauber durchgeführte Schönungsmittelvorprobe ist eine Angelegenheit über Tage, wenn nicht Wochen. Dabei sollte bedacht werden, dass das menschliche Hirn auch auf Selbstverarschung ausgelegt ist. Es ist nicht schändlich, Vorproben, welche im stillen Kämmerlein erdacht wurden, durch eine kleine Gruppe geübter Degustatoren verkosten zu lassen. Und bitte nicht nur nippen, die Weine sollen getrunken werden.

Laden Sie meine praktischen Booklets «Schönungsmittelvorproben» und «Dreieckstest» als PDFs herunter. Auf Wunsch schicke ich Ihnen natürlich auch gerne gedruckte Exemplare per Post zu. Eine kurze Mail an mich oder ein Anruf genügt.

Kennen Sie das beste Schönungsmittel?

Das beste Schönungsmittel ist der Faktor Zeit.

So manch eine Weinschönung kann gespart werden, lässt man dem Wein genügend Zeit. Natürlich, der Weinverkauf steht im Vordergrund. Wie wäre es aber mit einer Planung? Wieso extrahiert man Rotweine bis zum Geht- geht- nicht- mehr, im Wissen, dass diese im März gefüllt werden müssen. O.K. Nicht alles kann man planen und die Ernten können stark variieren. Aber trotzdem. Wir müssen dem Wein und seiner Stilistik gerecht werden. Es nützt nichts, halbschlaue Weine abzufüllen und dann zu hoffen, dass der Konsument nichts merkt. Das ist naiv.

An dieser Stelle sei erwähnt. Wieso nicht in einem tollen Jahr etwas mehr Barrique- Weine produzieren, vielleicht für zwei Verkaufsjahre? Wieso nicht mal eine coole Menge Champagner versekten? Die Flaschen können ja nach Bedarf und Verkauf degorgiert werden.

Einfach produzieren, dass produziert ist? Bitte. Den Zufall durch den Irrtum ersetzen.

> Weinkompendium-Link zum Thema «Schönungsmittel»

Macht Schichtenfiltrieren beim Abfüllen Spass?

Nicht wirklich. Wenn man bedenkt, dass gerade die Abfüllfiltration mit Schichtenfilter sehr präzise durchgeführt werden sollte. Dass die meisten Schichten (ausser BecoPads) wegen dem Zetapotential stehts einen Weinfluss haben müssen, ist einer der schwierigen Punkte. Und wie kann man die einzelnen Chargen sauber von einander abtrennen? Handgelenk mal Pi? Und wie war das nochmal bei den letzten Litern Wein und dem Differenzdruck? Ja, genau. Nicht mehr als 1.5 bar!

Ich bin nicht gegen das Schichtenfiltrieren. Aber das ist eine eigene Baustelle und sollte nicht mit anderen schwierigen Arbeiten vermengt werden. Wenn der ganze Betrieb bereits hoch effizient durchgeplant ist, darf man das Filtrieren und die Abfüllung auch in zwei Schritten durchführen. Oder aber man organisiert sich so, dass eine einfache Membrane beim Füllen genügt.

> Weitere Infos zum Thema: Keller Fluid Pro AG

Wie viel Schwefel braucht dein Wein?

Ja, Weine brauchen Schwefel. Trotz dem Gegentrend Orange Wines, bin ich fest davon überzogen, dass Weine mit wenig Histamine und flüchtiger Säure ebenso bekömmlich sind. Gerade die Histamine können unschöne Reaktionen beim Menschen hervorrufen. Hingegen braucht es eine gehörige Portion Schwefel um rote Köpfe zu bekommen. Dennoch sollte man mit dem Schwefel mässig umgehen. Und wie man schon seit langem weiss, ist nicht die freie Schwefelige Säure von Belang, sondern der molekular vorliegende Schwefel. Dieser ist wiederum abhängig vom pH-Wert. Es gibt also nicht den «richtigen» Schwefelgehalt, sondern einen Wert in Bezug auf den pH. Ebenso stellen sich Fragen vor der Abfüllung, wie lange der Wein gelagert wird, mit welchem Verschluss verschlossen wird und wie steril filtriert wurde.

An dieser Stelle sei auch erwähnt: Die Schwefellösung zum Aufschwefeln muss nicht zwingend stinken und sämtliche Atemwege für Stunden verpesten. Es gibt geruchsarme Produkte, auch als 5 % Lösung.

Weitere hilfreiche Praxistipps gibt es hier.
Dieser Artikel befasst sich mit der Reduktion von Schwefeldioxid: PDF-Download.

HACCP - brauch ich das?

Der Gesetzesgeber sagt ja. In der Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung (LGV) sogar seit dem Jahr 2006. Im Artikel 49 steht, dass es vier Instrumente zur Selbstkontrolle braucht für die Herstellung von Lebensmitteln: GHP (Gute Herstellungspraxis), HACCP (Hazard Analysis and Critical Control Points -> Risikoanalyse), Rückverfolgbarkeit und Probenahme/Analyse.

Es macht schon Sinn als Unternehmer seine Risiken zu kennen, diese zu werten, zu kontrollieren und im besten Fall auch zu notieren. Ich sehe das HACCP-Konzept als riesige Chance für den Erhalt der Qualität und zur Absicherung seiner Produktion. Gerade in der heutigen Zeit denkt man, dass alles sicher und klar ist. Aktuelle Beispiele aus der Pflanzenschutz- und Pharmaindustrie zeigen, dass man sich nicht immer auf alles verlassen kann. Da macht es Sinn, sich ein wenig mit seinen Risiken auseinander zu setzen und eigene Werte zu definieren.

> Weitere Infos finden Sie in meiner Gesetzestexte-Sammlung.

Ist Brett wirklich so nett?

Nicht wirklich. Offensichtlich wird es, wenn man ein unverseuchtes Muster vergleichend degustieren kann. Fruchtigkeit kombiniert mit einer angenehmen Würze ist immer noch zu bevorzugen.

Den Bretthefen muss man zu Leibe rücken.

  • Visuelle Kontrolle während und nach der Gärung mit dem Mikroskop.
  • Beim Auftreten sofort handeln.
  • No Brett Inside (Chitosan) kann lebende Zellen abbinden.
  • Eine Filtration mit BecoPad 350 oder feiner, sowie eine Crossflowfiltration kann diese komplett beseitigen.

Tiefe Schwefelgehalte fördern Bretthefen. Faktoren wie pH- Wert und Reduktone sind zu beachten.

Buchtipp:
«Sichere Gärführung» (Manfred Grossmann, Judith Muno-Bender, 2014)
Eine effiziente Gärkontrolle ist unabdingbar für die Qualitätsweinproduktion. In diesem Buch wird beschrieben, wie man sie einfach, schnell und preiswert durchführt. Hauptinstrument ist dabei das Mikroskop, dessen Nutzung einfach und in Schritt-für-Schritt-Anleitungen erklärt wird. Hier bestellen.

Weshalb ist der pH-Wert so wichtig?

Folgende Punkte können mit dem pH-Wert beurteilt werden:

  • Risikoeinschätzung mikrobiologischer Tätigkeiten: ab pH 3.5 wird es gefährlicher
  • Extraktion von wertbestimmenden Weininhaltsstoffen bei der Gärung: je tiefer der pH-Wert, desto grösser die Extraktion. Optimal zwischen pH 3.0 und 3.3
  • Farbstabilisation: je höher der pH-Wert, desto weniger sind die Anthocyane sichtbar.
  • Wirksamkeit von SO2: Die wirksame SO2 ist bei pH 3.3 optimal. Je höher der pH-Wert, desto mehr braucht es.
  • Effizienz und Aufwandmenge von Schönungsmittel: Je tiefer der pH- Wert, desto besser wirkt ein Schönungsmittel

Den pH-Wert sollte man mit einem professionellen Gerät messen. Regelmässiges Eichen der Geräte ergibt reproduzierbare Resultate.

> Weiterführende Links:

Gibt es eine tolle Hefe für weniger als 200 Franken pro Kilo?

Ja, die gibt es! Zum Beispiel die ‹Fermicru LS 2›, welche für alle Weine funktioniert und sensationell fruchtige Riesling Silvaner ergibt.

Es ist faszinierend, wie das Thema Weinhefen immer wieder in den Bereich Mythen, Märchen und Geschichten abdriftet. Selten werden konkrete Ansprüche gestellt, und diese dann auch während der Gärung überprüft, geschweige denn protokolliert.

Eine Hilfestellung soll dabei der «Fragebogen für Weinhefen» im Weinkompendium darstellen. Ebenso kann für die Ideensuche der Hefefinder dienlich sein.

Noch erstaunlicher wird es, wenn man sich mit Hefenährstoffen auseinandersetzt. Obwohl schon seit langem klar ist, dass die Sauerstoffgabe vor der Hauptgärphase, nebst dem pH-Wert, der wichtigste Faktor ist. Die eigene Erfahrung ist auch beim Thema Weinhefen viel wichtiger. Und zum Schluss sei noch erwähnt, dass die selbstständige Vergärung mit wilden Hefen immer noch eine machbare Lösung ist, aber bitte kontrolliert.

Viel Erfolg bei der Wahl Ihrer Hefe!

Kann man Weine vegan produzieren?

Natürlich kann man bei der Weinproduktion auf tierische Schönungsmittel verzichten. Auch kann man versuchen bei der Ernte möglichst «insektenfrei» zu arbeiten. Die Frage stellt sich aber, ob man der Idee «vegan leben» gerecht wird? Menschen, denen es wichtig ist Tiere und die Umwelt zu respektieren, schauen über den Weinglasrand hinaus.

> Weitere Informationen zum Thema auf folgenden Internetseiten:

Gibt es den perfekten Weinflaschenverschluss?

Aus meiner Sicht gibt es den. Nur will niemand Krondeckel auf seine Flaschen drücken.

Ich denke, dass es nicht nur eine Antwort auf diese Frage gibt. Jeder muss selber auf die Suche nach dem perfekten Verschluss gehen.

Dazu einige Gedanken:

Naturkorken und Agglokorken können auch selber getestet werden. Eine einfach Methode wird hier beschrieben: www.schneider-oenologie.com

Damit die Weine nicht zu schnell oxidieren braucht es die richtige Dimension. Dafür muss man den Innendurchmesser der Flasche ausmessen. Leider bilden die technischen Zeichnungen nur selten die Realität ab.

Es gibt frappante Unterschiede bei den Drehverschlussdichtungen. Der Lieferant sollte nicht nur über die Dichte des Materials Auskunft geben können, sondern auch angeben, wie viel Kopfdruck der Verschliesskopf haben muss.

Aus meiner Sicht wird das Image des Flaschenverschlusses überbewertet. In erster Linie soll ein Verschluss den Wein schützen.

Wenn man einen neuen Verschluss angeboten kriegt, ist es vernünftig zuerst kleine Serien damit zu verschliessen. Die eigenen Erfahrungen sind meistens die besten.

Wie viel Kohlensäure braucht ein Pinot?

Die Antwort liegt zwischen 0.3 und 0.8 g/ L CO2. Es ist abhängig von der Weinstilistik und der Gerbstoffmenge und -qualität. Ebenso hat der Alkoholgehalt seinen Einfluss. Je mehr Alkohol ein Pinot hat, desto eher kann die Kohlensäure bitter wirken.Wichtig ist, dass vor der Abfüllung die Kohlensäure mit einem einfachen Schüttelzylinder gemessen wird. Versuche haben gezeigt, dass es für  vergleichbare Messungen keine komplizierte Analytik braucht. Dabei ist zu beachten, dass während dem Füllprozess noch bis zu 0.2 g/L CO2 verloren gehen kann.

Die Erfahrung zeigt, dass der Kohlensäuregehalt ein sehr gutes Stilmittel ist. Etwas unstrukturierte Pinots können mit etwas mehr Kohlensäure frischer wirken. So manche Gerbstoffschönung kann man sich dagegen sparen, wenn die Kohlensäure ausgetrieben wird.Das Austreiben der Kohlensäure ist ein heikler Prozess.

Wichtig ist, dass wertvolle Aromatik nicht ausgetrieben wird. Die letzten zwei Jahre haben gezeigt, dass die Winegas- Membrane eine schonende Arbeitsweise darstellt. Die Kohlensäure kann während der Vinifikation als «Schutzgas» dienen bzw. hält den Wein reduktiv. Je nach Ausbauvariante und Zeithorizont, eine ergänzende Möglichkeit. Will heissen, dass die Feineinstellung der Kohlensäure noch vor der Füllung durchgeführt werden kann. Für weitere Fragen stehe ich gerne auch persönlich zur Verfügung.